Cividale del Friuli - Die Langobarden in Italien, Orte der Macht
Cividale del Friuli, Italien
12.09.2021
Eingebettet in die Landschaft des Friaul, ist Cividale del Friuli ein Ort von herausragender historischer Bedeutung, anerkannt als Teil der UNESCO-Welterbestätte „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568-774 n. Chr.)“. Diese Würdigung gilt den außergewöhnlichen Zeugnissen langobardischer Kunst und Architektur, die hier in einzigartiger Weise erhalten sind.
Die Ankunft der Langobarden
Die Geschichte Cividales, des antiken Forum Iulii, ist untrennbar mit der Ankunft der Langobarden in Italien 568 n. Chr. verbunden. Unter König Alboin machten sie Cividale zur ersten Hauptstadt ihres Königreichs in Italien und zum Sitz des mächtigen Herzogtums Friaul. Diese Periode prägte die Stadt nachhaltig und hinterließ ein kulturelles Erbe, das germanische Kultur mit spätrömischen und byzantinischen Elementen verschmolz.
Architektonische Meisterwerke
Das wohl bedeutendste Denkmal dieser Epoche ist das Tempietto Longobardo (Langobardischer Tempel) aus dem 8. Jahrhundert. Es ist ein herausragendes Beispiel für die Übergangsarchitektur von der Spätantike zum Mittelalter. Seine Stuckdekorationen, insbesondere die sechs weiblichen Heiligenfiguren, sind von seltener Schönheit und gelten als Meisterwerke der frühmittelalterlichen Skulptur in Europa.
Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Artefakte im Museo Cristiano im Duomo di Santa Maria Assunta. Hierzu zählen der exquisite Altar des Ratchis, gestiftet von Herzog Ratchis (später König der Langobarden), und das Taufbecken des Callixtus. Beide Werke demonstrieren die hohe künstlerische Fertigkeit der langobardischen Steinmetze und ihre religiöse Hingabe. Der Dom selbst beherbergt noch Spuren früherer Bauphasen.
Ein Erbe für die Nachwelt
Die historische Bedeutung von Cividale del Friuli reicht über die langobardische Zeit hinaus. Es war ein wichtiger Bischofssitz und Handelszentrum. Der Charme der Stadt, mit ihren engen Gassen und dem Blick auf den Fluss Natisone, besonders vom Ponte del Diavolo, lädt ein, in die Vergangenheit einzutauchen. Die UNESCO-Anerkennung unterstreicht die universelle Bedeutung dieser langobardischen Zeugnisse als Schlüssel zum Verständnis einer entscheidenden Phase der europäischen Geschichte.
Weiterführende Links
Cividale del Friuli (furlanisch Cividât, slowenisch Čedad, deutsch gelegentlich Östrich) ist eine Stadt in der nordostitalienischen Region Friaul-Julisch Venetien mit rund 11.000 Einwohnern.
Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.) lautet der offizielle deutsche Name der UNESCO für sieben Gruppen von wichtigen Gebäuden (einschließlich Festungen, Kirchen und Klöster) in Italien, die im Juni 2011 auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt wurden.
In der Begründung heißt es, dass die Stätten von der hohen Leistung des germanischen Volkes der Langobarden zeugten, die aus dem Norden Europas nach Italien eingewandert waren, wo sie vom 6. bis zum 8. Jahrhundert ihre eigene spezifische Kultur entwickelten. Weiter heißt es, die lombardische Synthese von Baustilen markiere den Übergang von der Antike zum europäischen Mittelalter, anknüpfend an das Erbe des antiken Rom, an christliche Spiritualität, an die byzantinische Kunst und die des germanischen Nordeuropas. Die sieben Gruppen zeugten von der wichtigen Rolle der Langobarden in der geistigen und kulturellen Entwicklung des mittelalterlichen europäischen Christentums, insbesondere durch die Stärkung der monastischen Bewegung.