Genua: Le Strade Nuove und der Palazzi-dei-Rolli-Komplex
Genua, Ligurien, Italien
20.10.2019
Die prächtige Stadt Genua, im Herzen Liguriens gelegen, birgt ein einzigartiges architektonisches Erbe, das von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde: Genua: Le Strade Nuove und der Palazzi-dei-Rolli-Komplex. Dieses Ensemble zeugt von der beispiellosen Macht und dem Reichtum der einstigen Seerepublik Genua im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.
Ein Erbe der Seemacht Genua
Im Zenit ihrer Macht als Handels- und Finanzzentrum Europas benötigte die Republik Genua eine repräsentative Stadtplanung. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert entstanden so die Strade Nuove – die „Neuen Straßen“.
Die Neuen Straßen und ihre Paläste
Die bekannteste ist die heutige Via Garibaldi (einst Strada Nuova), ein Paradebeispiel visionärer Stadtplanung. Entlang dieser und Achsen wie Via Balbi und Via Cairoli errichteten die Adelsfamilien Genuas ihre prunkvollen Paläste, den Kern des Palazzi-dei-Rolli-Komplexes.
Das „Rolli“-System
Der Begriff „Rolli“ bezieht sich auf eine öffentliche Liste, die Rolli della Repubblica di Genova, in die die prestigeträchtigsten Paläste eingetragen wurden. Sie waren verpflichtet, hochrangige Staatsgäste aufzunehmen. Dieses System, einzigartig in Europa, sicherte eine faire Gastfreundschaft und war eine innovative Form öffentlicher Repräsentation.
Architektonische Meisterwerke
Die Rolli-Paläste spiegeln den Übergang vom Spätrenaissance-Mannerismus zum frühen Barock wider. Architekten wie Giovanni Battista Castello schufen Meisterwerke mit kunstvollen Fassaden, Atrien und Fresken. Peter Paul Rubens studierte und dokumentierte diese Architektur. Bedeutende Beispiele wie Palazzo Rosso, Palazzo Bianco und Palazzo Tursi sind heute als Museen zugänglich und machen die Kunst und Lebensweise der Genueser Aristokratie erlebbar.
Ein Erbe für die Zukunft
Die Strade Nuove und die Palazzi dei Rolli sind lebendige Beispiele für fortschrittliche Stadtplanung und Architektur. Ihre UNESCO-Aufnahme 2006 würdigt ihre universelle Bedeutung als Modell für feudale und aristokratische Wohnkultur und Stadtentwicklung in Europa.
Weiterführende Links
Le Strade Nuove (italienisch „die neuen Straßen“) ist eine Sammelbezeichnung für die Straßen und Plätze Via Garibaldi, Piazza della Meridiana, Via Cairoli und Via Balbi in Genua. Berühmt ist das Gebäude- und Straßenensemble wegen der hier stehenden prunkvollen Stadtpaläste (Palazzi dei Rolli), die seit 2006 zum Welterbe der UNESCO gehören.