Bingen am Rhein - Oberes Mittelrheintal
Rheinland-Pfalz und Hessen, Deutschland
11.03.2024
Die Pforte zum UNESCO-Welterbe
An der Mündung der Nahe in den majestätischen Rhein, wo sich das Flusstal verengt und die Hügel steiler werden, liegt Bingen am Rhein. Dieser geschichtsträchtige Ort bildet das südliche Tor zum 2002 von der UNESCO zum Welterbe erklärten Oberen Mittelrheintal. Als Kulturlandschaft von außergewöhnlichem Wert zeugt die Region um Bingen von einer über zwei Jahrtausende währenden Geschichte der Menschheit, geprägt durch Handel, Eroberung und tiefe kulturelle Entwicklungen.
Antike Wurzeln und mittelalterliche Legenden
Die strategisch wichtige Lage Bingen am Rheins war bereits den Römern bekannt. Unter dem Namen Bingium gründete Drusus hier um 10 v. Chr. ein Militärlager und baute eine erste Holzbrücke über die Nahe. Die Stadt entwickelte sich zu einem wichtigen römischen Stützpunkt an der Rheingrenze. Im Mittelalter gewann Bingen weitere Bedeutung als Reichsstadt und als wichtiger Umschlagplatz für den Rheinhandel. Aus dieser Zeit stammt auch das ikonische Wahrzeichen, der Mäuseturm. Dieser freistehende Turm im Rhein, ursprünglich ein Zollturm, ist untrennbar mit der tragischen Legende des habgierigen Mainzer Erzbischofs Hatto II. verbunden, der hier der Sage nach von Mäusen gefressen wurde. Gegenüber auf einem Felssporn thront die imposante Burg Ehrenfels, einst eine bedeutende Reichsburg und Zollstation.
Geist und Romantik am Fluss
Bingen ist nicht nur ein Ort der Burgen und Sagen, sondern auch eng mit der Geschichte bedeutender Persönlichkeiten verbunden. Die Universalgelehrte, Äbtissin und Mystikerin Hildegard von Bingen (1098–1179) wirkte unweit von Bingen und prägte das geistliche Leben ihrer Zeit maßgeblich. Ihre Visionen und ihr Wissen in Medizin und Musik sind bis heute von großer Bedeutung. Die malerische Landschaft rund um Bingen, mit ihren steilen Weinbergen, historischen Burgen und der Flussromantik, zog im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler, Dichter und Reisende an und inspirierte die Rheinromantik. Die berühmte Loreley mag zwar weiter nördlich liegen, doch die Essenz der romantischen Rheinlandschaft beginnt hier, wo der Fluss seinen wilderen Charakter annimmt und die Geschichten lebendig werden.
Weinbau und Kulturlandschaft
Die Region um Bingen ist seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt. Die steilen Hänge bieten ideale Bedingungen für den Anbau edler Rebsorten, insbesondere des Rieslings. Die Weinlandschaft prägt nicht nur das Bild, sondern auch die Kultur und Wirtschaft der Stadt und des umliegenden Rheinhessens. Als Teil des Welterbes Oberes Mittelrheintal verkörpert Bingen die einzigartige Verbindung von Natur, Geschichte und menschlicher Schaffenskraft, die diese Region zu einem unvergleichlichen Zeugnis der europäischen Kultur macht.
Weiterführende Links
Bingen am Rhein ist eine große kreisangehörige Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Einwohner Bingens werden „Binger“ genannt, das Wort Bingener ist hingegen verpönt.
Der römische Name der Siedlung war Bingium. Bekannt ist Bingen unter anderem durch die Geschichte um den Binger Mäuseturm, in dem angeblich der Mainzer Erzbischof Hatto von Mäusen gefressen wurde. 2008 war Bingen Ausrichter der dritten rheinland-pfälzischen Landesgartenschau nach Kaiserslautern und Trier, 2029 wird es Teil der BUGA Bundesgartenschau werden.
Das Obere Mittelrheintal (vereinzelt auch Obermittelrheintal) ist eine naturräumliche Haupteinheit innerhalb der Haupteinheitengruppe Mittelrheingebiet am Mittelrhein. Sie erstreckt sich rheinaufwärts im Südosten etwa bis zu einer Linie, die die Rochuskapelle in Bingen mit dem Niederwalddenkmal in Rüdesheim verbindet, und rheinabwärts im Nordwesten bis unmittelbar oberhalb von Koblenz.
Das Obere Mittelrheintal liegt in Rheinland-Pfalz, am südlicheren Ostufer auch in Hessen, und trennt den Taunus im Osten vom Hunsrück im Westen.
Am 27. Juni 2002 wurde das Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal mit dem nach Norden leicht erweiterten Verlauf bis zur Moselmündung in Koblenz in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.