Kloster Lorsch und Altenmünster
Lorsch, Deutschland
06.04.2017
Eingebettet in die reizvolle Landschaft des hessischen Rieds, zeugt das ehemalige Benediktinerkloster Lorsch von einer glanzvollen Epoche europäischer Geschichte. Als eines der bedeutendsten Klöster des Frankenreiches, wurde es 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Anlage, heute hauptsächlich Ruinen und die einzigartige Königshalle, ist ein herausragendes Beispiel karolingischer Baukunst und Kultur.
Die Gründung und karolingische Blüte
Die Ursprünge des Klosters reichen ins Jahr 764 zurück, als Graf Cancor und seine Mutter Williswinda das Kloster Lorsch stifteten. Schon um 770 wurde es direkt dem Papst unterstellt und erhielt umfangreiche Ländereien. Unter seinem ersten Abt, dem Heiligen Chrodegang von Metz, einem Vetter Pippins des Jüngeren, erlangte es schnell hohes Ansehen. Bereits 771 wurden die Gebeine des Märtyrers Nazarius von Rom nach Lorsch überführt, was dem Kloster einen starken Pilgerstrom bescherte. Die Lorscher Äbte genossen den Schutz der fränkischen Könige und Kaiser, darunter Karl der Große, und das Kloster entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der karolingischen Renaissance für Kultur und Bildung. Hier entstanden bedeutende Werke wie der Codex Aureus Laureshamensis und die berühmten Annales Laureshamenses.
Die einzigartige Königshalle
Das wohl bekannteste und besterhaltene Bauwerk der Anlage ist die sogenannte Königshalle oder Torhalle Lorsch. Dieses karolingische Bauwerk aus dem späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert ist eines der wenigen erhaltenen karolingischen Gebäude aus der Zeit Karls des Großen und ein architektonisches Juwel. Mit zwei Stockwerken, eleganten Arkaden und farbigen Ornamenten im Obergeschoss zeigt sie eindrucksvoll römisch-antike und byzantinische Einflüsse. Ihre genaue Funktion ist bis heute Gegenstand der Forschung, doch wird angenommen, dass sie als Empfangsgebäude für hochrangige Gäste oder repräsentativer Audienzsaal diente. Ihre prächtige Gestaltung unterstreicht die Macht und den Anspruch des Lorscher Klosters.
Altenmünster und das Ende einer Ära
Eng mit der Geschichte des Hauptklosters verbunden ist auch die frühere Siedlung Altenmünster, der ursprüngliche Standort des Klosters. Im Laufe der Jahrhunderte verlor das Kloster Lorsch, obwohl es weiterhin als Grablege von Karolingern diente und große Besitzungen hatte, allmählich an Bedeutung. Im 16. Jahrhundert, im Zuge der Reformation, wurde das Kloster säkularisiert und fiel an verschiedene Landesherren, bevor es schließlich zerstört und zur Ruine wurde. Lediglich die Königshalle blieb als Zeugnis seiner einstigen Größe erhalten.
Weiterführende Links
Das Kloster Lorsch (St. Nazarius) war eine Benediktinerabtei in Lorsch im Landkreis Bergstraße (Hessen) in Deutschland. Es wurde um 764 gegründet und war bis zum Hochmittelalter als Reichskloster ein Macht-, Geistes- und Kulturzentrum. 1232 kam die Abtei Lorsch zu Kurmainz und war ab 1248 eine Prämonstratenser-Propstei. 1461 wurde Lorsch als Teil des Oberamtes Starkenburg an die Kurpfalz verpfändet, die das Kloster 1564 aufhob.
Wichtige überlieferte Zeugnisse sind der Lorscher Codex (Codex Laureshamensis), ein umfassendes Güterverzeichnis, das Lorscher Evangeliar (Codex Aureus Laureshamensis), aber auch der Lorscher Bienensegen, die ehemalige Bibliothek und die Torhalle des Klosters, auch Königshalle genannt, eines der wenigen vollständig erhaltenen Baudenkmale aus der Zeit der Karolinger. Das übrige Kloster wurde, mit Ausnahme weniger Gebäude, im Dreißigjährigen Krieg 1621 niedergebrannt und später als Steinbruch beräumt. Lediglich die Torhalle des Klosters blieb unversehrt.
Das Kloster Lorsch (Abtei und Altenmünster) ist seit 1991 Weltkulturerbe der UNESCO, des Weiteren ist es ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Das Lorscher Arzneibuch, eine Handschrift aus dem Ende des 8. Jahrhunderts, wurde 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland erklärt.
Vom Altenmünster, dem überlieferten Vorgängerkloster von Lorsch, ist obertägig kein Rest mehr vorhanden.