Historisches Zentrum von Neapel
Neapel, Italien
02.05.2012
Das Historische Zentrum von Neapel, seit 1995 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt, ist ein einzigartiges Zeugnis der europäischen Stadtgeschichte. Es verkörpert über 2500 Jahre kontinuierlicher Entwicklung und ist ein lebendiges Mosaik aus antiken Ruinen, mittelalterlichen Gassen und barocken Prunkbauten. Neapel wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern als Parthenope gegründet und später in Neapolis („neue Stadt“) umbenannt. Die ursprüngliche griechische Stadtplanung, das sogenannte „hippodamische Schema“, ist bis heute in der Anordnung der Straßen erhalten, insbesondere in den Decumani, den drei Hauptachsen, die sich von Ost nach West ziehen, und den Cardi, den senkrechten Nebenstraßen.
Ein Fenster in die Vergangenheit
Die römische Ära prägte die Stadt nachhaltig, und viele der heutigen Straßen folgen immer noch den antiken Verläufen. Unter der Oberfläche erstreckt sich eine faszinierende Unterwelt, das Napoli Sotterranea, ein Netzwerk aus Gängen und Katakomben, das die Schichten der Stadtgeschichte offenbart. Im Herzen des Zentrums befindet sich der Duomo di San Gennaro, die Kathedrale von Neapel, die nicht nur ein beeindruckendes Beispiel gotischer und barocker Architektur ist, sondern auch das Wunder des Heiligen Januarius hütet, dessen Blut jedes Jahr wundersam flüssig wird.
Die Gassen der Geschichte
Ein Spaziergang durch das Spaccanapoli, jene imaginäre Linie, die die Altstadt optisch in zwei Hälften teilt und in Wirklichkeit durch die alte griechische Hauptstraße, den Decumanus Inferiore, gebildet wird, führt vorbei an unzähligen Palästen, Kirchen und Handwerksbetrieben. Hier findet man auch die berühmte Straße Via San Gregorio Armeno, bekannt für ihre Krippenwerkstätten. Ein weiteres ikonisches Bauwerk ist das Castel Nuovo, auch bekannt als Maschio Angioino, eine majestätische mittelalterliche Festung, die unter den Anjou- und Aragonesen-Königen errichtet wurde und die reiche Geschichte der Stadt als Hauptstadt des Königreichs Neapel widerspiegelt.
Kulturelles Erbe und lebendige Tradition
Die Architektur des historischen Zentrums ist eine Symphonie verschiedener Epochen: von den Überresten der römischen Agora und den normannischen und staufischen Elementen bis hin zur Blütezeit des Barocks unter den spanischen Vizekönigen und den Bourbonen. Diese Schichtung macht Neapel zu einem einzigartigen Labor der Urbanistik. Die lebendige Kultur, die Gastronomie und die einzigartige Atmosphäre, die aus dem Zusammenleben von alter Geschichte und modernem Alltag entsteht, sind es, die dieses Erbe so besonders und schützenswert machen. Neapel ist nicht nur ein Museum unter freiem Himmel, sondern eine pulsierende Metropole, die ihre Vergangenheit ehrt und gleichzeitig in die Zukunft blickt.
Weiterführende Links
Neapel (italienisch Napoli, neapolitanisch Napule) ist mit knapp einer Million Einwohnern die nach Rom und Mailand drittgrößte Stadt Italiens. Die Hauptstadt der Region Kampanien sowie der Metropolitanstadt Neapel ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Süditaliens. Die Metropolregion hat bis zu 4,4 Millionen Einwohner. Viele Neapolitaner sprechen das stark vom Standarditalienischen abweichende Neapolitanisch. Neapel spielt auch eine Schlüsselrolle in der internationalen Diplomatie und Zusammenarbeit, da es Sitz des Allied Joint Force Command Naples der NATO ist und, vor allem aufgrund seiner historischen globalen Ausrichtung, der Parlamentarische Versammlung der Mittelmeeranrainer (PAM).
Die ursprüngliche griechische Siedlung trug den Namen Νεάπολις (Neápolis „neue Stadt“). Später geriet sie unter römische Herrschaft. Vom Spätmittelalter bis zum 18. Jahrhundert gehörte Neapel zu den größten Städten Europas. Seine politische Geschichte ist über weite Strecken von Fremdherrschaft geprägt, zudem war es die Hauptstadt süditalienischer Reiche.
In den inneren Stadtteilen findet man zahlreiche historische Bauten und Kulturdenkmäler; 1995 wurde die gesamte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das heterogene Stadtbild bietet Vorstädte mit riesigen Wohnkomplexen und weiten Flächen im Kontrast zu den engen und stark frequentierten Gassen der Altstadt. Während in den Stadtteilen westlich des Zentrums der Reichtum konzentriert ist, findet man in den inneren Bezirken und der Altstadt teilweise Überbevölkerung und ökonomisch rückständige Gebiete. Die soziale Lage der Vorstädte ist unterschiedlich, es handelt sich teils um Arbeiterviertel, teils um im Zuge des sozialen Wohnungsbaus entstandene Satellitenstädte, teils aber auch um ländliche Gebiete. Ein großes Problem ist die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit.