Stiftsbezirk St. Gallen
Sankt Gallen, Schweiz
08.04.2017
Eingebettet in die malerische Stadt St. Gallen, offenbart sich ein außergewöhnliches Zeugnis europäischer Klosterkultur: der Stiftsbezirk St. Gallen. Seit 1983 als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet, ist dieser historische Komplex ein Denkmal des frühen Mittelalters und der abendländischen Geistesgeschichte.
Von der Einsiedelei zur Fürstabtei
Die Ursprünge reichen ins 7. Jahrhundert: Der irische Wandermönch Gallus gründete um 612 n. Chr. eine Einsiedelei. Rund hundert Jahre später, um 719 n. Chr., etablierte der Priester Otmar ein Benediktinerkloster. Unter Schirmherrschaft der Karolinger entwickelte sich die Fürstabtei St. Gallen rasch zu einem der bedeutendsten intellektuellen und kulturellen Zentren Europas, mit weitreichendem Einfluss.
Die Stiftsbibliothek – Schatzkammer des Wissens
Herzstück ist die Stiftsbibliothek St. Gallen, die 170.000 Bücher und 2.100 Handschriften beherbergt, teils aus dem 8. Jahrhundert. Der prunkvolle Barocksaal ist selbst ein Kunstwerk spätbarocker Baukunst. Hier lagern der einzigartige Klosterplan von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert – die älteste erhaltene Bauzeichnung des Mittelalters – sowie bedeutende Bibelhandschriften. Das Kloster trug durch sein Scriptorium und seine Schule maßgeblich zur Bewahrung und Weitergabe antiken Wissens bei.
Die Kathedrale – Ein barockes Meisterwerk
Dominant im Zentrum erhebt sich die imposante Stiftskirche St. Gallen. Ursprünglich eine karolingische Basilika, wurde sie im 18. Jahrhundert in ihrer heutigen, atemberaubenden Barockgestalt neu erbaut. Mit majestätischer Kuppel, kunstvollen Stuckaturen und prächtigen Fresken zählt sie zu den bedeutendsten Barockbauten der Schweiz. Die Kirche dient heute als Kathedrale des Bistums St. Gallen und ist ein lebendiger Ort des Glaubens, der die tiefe historische Verwurzelung des Ortes widerspiegelt.
Der Stiftsbezirk St. Gallen ist somit eine Brücke in die Vergangenheit, ein Ort, an dem sich Geistesgeschichte, Kunst und Glaube auf einzigartige Weise verbinden und dessen Erbe bis heute lebendig ist.
Weiterführende Links
Der Stiftsbezirk St. Gallen in St. Gallen im gleichnamigen Kanton der Schweiz gehörte zu den bedeutendsten kulturellen Zentren Europas. Die Fürstabtei ist ein ideales Beispiel für ein grosses Kloster, dessen Geschichte sich von karolingischer Zeit bis zur Säkularisation im Jahr 1805 spannt. Die Bibliothek ist eine der reichsten und ältesten der Welt und bewahrt wertvolle Manuskripte, wie die älteste überlieferte Architekturzeichnung des Abendlandes. Grosse Teile des Stiftsbezirks wurden von 1755 bis 1768 im Stil des Barock neu gestaltet. In Baubestand, Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv werden eine zwölf Jahrhunderte währende Kontinuität dokumentiert.
Im Jahr 1983 wurden der Bezirk und seine mobilen Kulturgüter von der UNESCO in das Verzeichnis des schützenswertens Weltkulturerbes aufgenommen. Die berühmte Nibelungenhandschrift B ist seit 2009 Teil des UNESCO-Welterbes.