Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus
Hamburg, Deutschland
10.04.2015
Die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus in Hamburg, Deutschland, bilden ein einzigartiges UNESCO-Weltkulturerbe, das die Geschichte des internationalen Handels im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert widerspiegelt.
Die Speicherstadt: Ein maritimes Wunderwerk
Die Speicherstadt, erbaut 1883-1927 als Teil des Hamburger Freihafens, ist der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Charakteristisch sind die imposanten Gebäude aus rotem Backstein, die auf Millionen von Eichenpfählen stehen und von einem Netz aus Fleeten durchzogen werden. Diese Fleete ermöglichen den direkten Warentransport von Schiffen in die Lagerhäuser. Der neugotische Backstein-Stil mit Türmchen, Giebeln und Erkern verlieh dem Viertel unverwechselbare Ästhetik und Funktionalität. Hier wurden einst Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Tabak und Orientteppiche gelagert, sortiert und veredelt.
Das Kontorhausviertel: Ausdruck kaufmännischer Macht
Angrenzend an die Speicherstadt entstand in den 1920er und 1930er Jahren das Kontorhausviertel, Europas erstes reines Büroviertel. Es repräsentiert eine komplementäre Architektur: den Backsteinexpressionismus. Diese kühnen, vertikal betonten Bauten aus dunklem Klinker symbolisierten die kaufmännische Stärke und den Modernismus der Zeit. Sie beherbergten die Büros der Handelsfirmen, Reedereien und Versicherungen, die den globalen Handel organisierten.
Das Chilehaus: Ikone des Backsteinexpressionismus
Das wohl bekannteste Gebäude des Kontorhausviertels ist das Chilehaus. Vom Architekten Fritz Höger 1924 fertiggestellt, wurde es im Auftrag des Kaufmanns Henry B. Sloman errichtet, der sein Vermögen im Salpeterhandel mit Chile erwarb. Das Gebäude beeindruckt durch seine einzigartige, spitz zulaufende Form, die an den Bug eines Schiffs erinnert, und seine detailreiche Fassade aus dunklem Klinker. Das Chilehaus gilt als Meisterwerk des Backsteinexpressionismus und ist bis heute ein Wahrzeichen Hamburgs. Die Synergie von Speicherstadt und Kontorhausviertel erzählt die Geschichte einer Handelsmetropole, die ihre Identität aus der Verbindung von Wasser, Waren und kaufmännischer Innovation schöpft.
Weiterführende Links
Die Hamburger Speicherstadt ist der weltgrößte historische Lagerhauskomplex, gelegen im Hamburger Hafen. Sie umfasst das Gebiet zwischen Baumwall und Oberhafen. Seit 1991 steht die Speicherstadt unter Denkmalschutz und ist seit dem 5. Juli 2015 mit dem benachbarten Kontorhausviertel unter dem Namen Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus auf der Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Sie ist Teil des kolonialen Erbes Hamburgs.
Die Speicherstadt wurde zwischen 1883 und 1927 südlich der Altstadt auf den ehemaligen Elbinseln und Wohnquartieren Kehrwieder und Wandrahm als Teilstück des Hamburger Freihafens in drei Abschnitten erbaut, der erste Abschnitt war 1888 fertiggestellt. Die Bauleitung hatte der Oberingenieur der Hamburger Baudeputation Franz Andreas Meyer. Ihm zur Seite standen der Wasserbaudirektor Christian Nehls und der Baudirektor Carl Johann Christian Zimmermann sowie ein Konsortium aus 15 Ingenieuren, 24 Architekten und Bauzeichnern. Der Architekt Georg Thielen (1853–1901) entwarf rund 30 Speicher an den Standorten Neuer Wandrahm, Am Sandtorkai, Auf dem Sande, Brook und Kehrwieder.
Die Speicherstadt wurde zum 1. Januar 2003 aus dem Gebiet des (2013 aufgelösten) Freihafens herausgenommen.
Sie und das Neubaugebiet auf dem Großen Grasbrook wurden zum 1. März 2008 zum Stadtteil HafenCity im Bezirk Hamburg-Mitte erklärt.